Malaysia Teil 4: Sepilok

Nach unserem Aufenthalt in Kota Kinabalu konnten wir es kaum erwarten, unsere kleine Hütte in der Natur in Sepilok zu beziehen. Der Ort war so idyllisch, dass wir gerne mehr als eine Nacht dort verbracht hätten. Wenn ihr die Möglichkeit (und ein etwas höheres Budget) habt, bucht das Sepilok Nature Resort auf jeden Fall für zwei bis drei Nächte!

sepilok nature resort

Von Kota Kinabalu nach Sepilok

Von Kota Kinabalu nach Sepilok kommt man wieder einmal am besten mit dem Flugzeug. Der Flug dauert ca. 2 Stunden, beide Flughäfen sind klein und übersichtlich. Da man innerhalb des Staates Sabah reist, bleibt einem die Pass-Kontrolle vor Abflug und nach der Landung erspart. So befanden wir uns bereits zehn Minuten nach der Landung in Sepilok im Auto eines Grab-Fahrers, der uns zu einem vegetarischen Restaurant brachte, das wir zuvor über Google-Maps gefunden hatten. Unsere Mägen waren mittlerweile so leer wie die Restaurant-Liste auf HappyCow. Umso glücklicher waren wir über ein kleines, einfaches Restaurant, das auf dem Weg zu unserem Resort lag. Leider stellte sich heraus, dass dort niemand Englisch verstand und ich am Ende nicht mehr sicher war, ob ich nicht doch Milch beziehungsweise Sahne in meinem Gemüsecurry hatte. Die Speisekarte war ewig lang, wir waren hungrig und die Bedienung ungeduldig – wenn ihr einfach Reis und Gemüse bestellt, seid ihr vermutlich auf der sicheren Seite.  

Das Sepilok Nature Resort

Nach dem Essen deckten wir uns im nahegelegenen Supermarkt noch mit genügend Wasser für die kommenden Tage ein. Außerdem fanden wir dort noch Sojamilch für unser improvisiertes Frühstück. Ein Grab-Fahrer holte uns wenig später ab und brachte uns zum Resort. 

Das Resort war ein Traum! Mitten im Grünen, um einen kleinen Teich herum, befanden sich kleine, aber ziemlich luxuriöse Hütten. Vor der Tür gab es eine Hängematte, drinnen ein großes Bett, ein Bad mit Dusche und genügend Platz zum Entspannen. 

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Das Sepilok Nature Resort - ein ruhiges Plätzchen mitten im Grünen

Orang-Utan Rehabilitation Centre

Ein Grund, warum wir nach Sepilok gekommen waren, war das Orang-Utan Rehabilitation Centre. In Folge der massiven Waldrodung auf der Insel Borneo sowie illegaler Jagd auf die Menschenaffen kommt es leider immer wieder vor, dass verwaiste Jungtiere nicht ohne menschliche Unterstützung überleben können. In Sepilok kümmert man sich um die Tiere und bringt ihnen das Überleben in der freien Wildbahn bei. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung werden sie so schnell wie möglich in den noch erhaltenen Regenwald entlassen.

Der Parkplatz vor den Rehabilitation Centre war voll mit kleinen und großen Reisebussen. Die Orang-Utans sind eine der wichtigsten Touristen-Attraktionen in der Gegend, was für den Erhalt der Anlage unerlässlich ist. Wir kamen pünktlich zur Fütterungszeit am Nachmittag am Eingang des Zentrums an und konnten es nach unserer letzten Begegnung mit den wilden Tieren in Semenggoh kaum erwarten, weitere von ihnen zu sehen.

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Bereits am Eingang wurde der Unterschied zu dem kleinen Zentrum in Semenggoh deutlich. Man durfte hier keine Rucksäcke mit in den Park nehmen und auch Kameras waren nur gegen Gebühr erlaubt. Wir zahlten umgerechnet drei Euro pro Kamera, Jim sollte für sein 400mm Objektiv allerdings zusätzlich umgerechnet 500 Euro bezahlen. Etwas ungläubig ließ er sein Objektiv also in einem der mehr oder weniger gut gesicherten Schließfächer zurück und wir begaben uns auf den Pfad zur Fütterungsstelle. Der Weg führte vorbei an dem “Kindergarten” des Zentrums, hier lernen die Jungtiere, sich von einem Baum zum anderen zu hangeln. Die Besucher haben dabei die Möglichkeit, sie durch eine Glasscheibe zu beobachten. Da weit und breit kein kleiner Orang-Utan zu sehen war, folgten wir dem Pfad kurz darauf weiter in Richtung Fütterungsplattform. Dort angekommen warteten wir nicht lange, bis sich die ersten Tiere an den Seilen entlang zur Futterstelle hangelten.

Die Fütterung erinnerte leider sehr an eine Fütterungszeremonie in einem Zoo. Überall waren Seile und Plattformen, die Tiere spielten mit (hoffentlich unabsichtlich in der Natur liegengelassenen!) Gummihandschuhen.

Die Fütterungsplattform im Orang-Utan Rehabilitation Centre Sepilok

Getrieben von einer inneren Unruhe aufgrund der Tatsache, dass Jim Teile seiner Fotoausstattung zurückgelassen hatte, verließen wir das Rehabilitation Center sehr schnell wieder.

Bornean Sun Bear Conservation Centre

Gegenüber der Orang-Utans befindet sich das Bornean Sun Bear Conservation Centre (BSBCC)”. Dort kümmert man sich um die kleinsten Bären der Welt, die man nur in Südostasien findet. Leider werden auch die Sun Bears häufig illegal als Haustiere gehalten, gejagt und durch Rodung des Regenwaldes vertrieben. Seit 2008 hat das BSBCC nach eigenen Angaben insgesamt 61 Bären gerettet und 7 erfolgreich ausgewildert. Zwischen Rettung und Auswilderung liegt eine anstrengende Zeit für alle Beteiligten. Die Tiere können teilweise nicht klettern, da sie ihr Leben lang in kleinen Käfigen gehalten wurden. Die Fähigkeit, zu klettern, ist in freier Wildbahn jedoch sehr wichtig, damit sich die Bären nachts vor ihren Feinden schützen können.

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Wir besuchten das Sun Bear Conservation Centre am zweiten Tag unseres Aufenthalts in Sepilok. Um neun Uhr morgens werden die Tore geöffnet und wir gehörten zu den ersten Besuchern dieses Tages. Bis zum Ticket-Schalter läuft man über einen hölzernen Steg durch dichten Wald hindurch. Wenn ihr ein Ticket kauft, ist dieses den ganzen Tag lang gültig. Es dauerte etwa fünf Minuten, bis wir die ersten Bären unterhalb der Besucherplattformen umherlaufen sahen. Wie beeindruckend diese Tiere doch sind! Ein wenig tollpatschig schoben sie Äste hin und her und erholten sich zwischendurch laut schnaufend von der offensichtlich anstrengenden Arbeit.

Von der zweiten Plattform aus konnten wir zwei Bären beobachten, die das Klettern bereits ziemlich gut beherrschten. Die Tatsache, dass beide auf denselben Baum klettern wollten, sorgte allerdings für einen heftigen Streit und den einen oder anderen Sturz aus gefährlicher Höhe. Wir verbrachten sehr lange auf den hölzernen Stegen zwischen den Bären, was sich auf jeden Fall auszahlte. Zusätzlich zu den Bären sahen wir noch kleine Äffchen, die sich ziemlich nah an die Besucher heranwagten. Den wachsamen Mitarbeiter des BSBCC hatten sie dabei immer im Blick. Nach einem kurzen Gespräch mit dem jungen und hoch motivierten Mann zeigte dieser aufgeregt auf einen Baum, auf dem umgeben von Blättern eine kleine, grasgrüne Schlange saß. Direkt über den Köpfen der Besucher. Er betonte mehrfach, dass diese sehr giftig sei. Jim nutzte die Gelegenheit und machte einige imposante Fotos.

Rainforest Discovery Centre

Einer unserer Spaziergänge durch Sepilok führte uns am späten Nachmittag zum Rainforest Discovery Centre (RDC). Der Eingang lag etwa 30 Gehminuten vom Nature Resort entfernt. Da wir im Vorhinein nichts von diesem Ort gehört hatten waren wir skeptisch, ob sich der Weg dorthin lohnen würde. Es stellte sich schnell heraus, dass es sich bei dem RDC um einen super schönen und ruhigen Ort handelte und wir bereuten ein bisschen, dass wir nicht mehr Zeit dafür eingeplant hatten.

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Atemberaubender Blick von einer der Aussichtsplattformen im Rainforest Discovery Centre Sepilok

Der Park war insgesamt sehr groß und weitläufig, sodass wir wenigen Menschen begegneten. Stattdessen hörte man überall das Gezwitscher der vielen Vögel, die in den Bäumen saßen. Gesehen haben wir leider wenige Vögel. Zwischen den Baumkronen hindurch führen Stege aus Holz, an denen Tafeln mit Abbildungen der hier beheimateten Vögel angebracht sind. Um diese tatsächlich zu sehen, sollte man besser mit einem professionellen Guide unterwegs sein. Das einzige, was wir zu Gesicht bekamen, waren winzige grüne Papageien mit orangenen Schnäbeln, die weit weg von uns in einem ebenso grünen Baum saßen.

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Gut versteckt zwischen saftig grünen Blättern: ein kleiner Papagei

Im Rainforest Discovery Centre soll es auch die sogenannten “Flying Squirrels” (eine Art fliegende Eichhörnchen) geben. Leider sahen wir keins.

Vegan mitten im Nirgendwo

Wenn man auf einer Insel mitten im Regenwald is(s)t, muss man wohl mit den einfachen Dingen zufrieden sein. “Mama Wati’ss” machte uns das sehr leicht!

Direkt gegenüber vom Sepilok Nature Resort befindet sich das “Mama Wati’ss”, eine kleine Hütte, in der eine sehr freundliche Frau für ihre Gäste kocht. Und das traditionell und für wenig Geld. So gab es für uns an zwei Tagen hintereinander gebratenen Reis mit Gemüse. Wenn man drinnen sitzt (was uns zunächst etwas befremdlich vorkam, da man sich fühlt wie in ihrem privaten Haus), kann man “Mama Wati” beim Kochen über die Schulter schauen. Wir wissen nicht, was wir ohne sie gemacht hätten!

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"Mama Wati'ss" - hier bekommt ihr frisch gekochte, traditionelle Gerichte (auch vegan!)

Im Hotel gab es das typische, westliche “Continental Food”: überteuerte Pizza und Nudeln mit Tomatensoße. Sicherlich hätten wir auch dort etwas gefunden, aber wir hatten kein großes Interesse daran.

Für unser Frühstück hatten wir vorgesorgt, und Haferflocken und Sojamilch eingepackt. Da wir unsere Reserven allerdings für die Zeit im Kinabatangan National Park aufsparen wollten, gaben wir dem Frühstück im Resort eine Chance. Wie die Speisekarte am Abend war auch das Frühstück nicht sehr ansprechend und wir landeten mal wieder bei Toastbrot mit Erdbeer-Marmelade. Es irritiert uns immer wieder aufs Neue, dass wir in einem Land wie Malaysia so selten frisches Obst finden!

Nach einer erholsamen Nacht und zwei erlebnisreichen Tagen in Sepilok machten wir uns auf den Weg nach Kinabatangan. Was uns dort erwartete, lest ihr im nächsten Blogeintrag. 

Jessica Wagenlehner
Jessica
Autorin

Malaysia Reiseblog

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